1995 bestellte ich mir bei Wolfgang eine American Standard Stratocaster in Sunburst. Weisses Schlagbrett und 3 Singlecoils, eine THX Schaltung am hinteren Pickup.
Ich nutzte sie häufig und gern, unterfütterte den etwas schwachen Output mit einem Original Electro-Harmonix LPB-2 aus den 70er Jahren über meinen 91er Peavey-Classic 50 Top mit 2x12er H&K-Box mit 2 Celestion Vintage 30ern drinne.
Ich hab erst annähernd zwanzig Jahre später gemerkt, dass ich den Amp immer auf 4 Ohm laufen hatte und ein Kabel in der Box steckte, deren zwei Ausgänge parallel geschaltet waren! Das bedeutet: ich hab nie gemerkt, dass ich meine 2x12er als 1×12 benutzt hatte (und falsch geschaltet war der Peavey auch noch!).
Mittlerweile stecken zwei Kabel zwischen Amp und Box und die Hosen flattern etwas mehr aber da ich hauptsächlich den Fender-Sound suche und der Super Champ XD mir diesen Klang auch viel leiser liefert als der 50-Watter, steht der Peavey seit dem eigentlich nur noch rum.
Meine Anniversary klang wie gesagt stets ein wenig dünne, selbst bei hohen Lautstärken “kam es nicht so richtig rüber”, lag es am Peavey oder an der Strat, ich vermag es nicht zu sagen.
Neulich aber überkam mich die innere Unruhe und ich musste es mir einfach zugestehen, dass ich erst wieder Frieden fände, würde ich die bekannten Texas-Special-PU’s analog der Pickups von SRV, den ich so sehr verehre, in mein “Jahrgangsschätzchen” einbauen.
Gesagt getan, 165 flocken kosten nur die Pickups, dabei blieben Pickguard und alte Potis weiter in Verwendung. Über ebay fand ich einen Verkäufer der beliebige Pickups in gewünschte Schlagbretter inkl. neuer Potis und Schalter verbaute und so zahlte ich am Ende knappe 200 Euro für die Texas Special inkl. eines neuen schwarz-perlmuttigen Schlagbretts und neuen Göldo-Bauteilen.
Zeitgleich überkam mich auch die Überzeugung, dass ich endlich auch auf meiner Strat einen Satz 11er Saiten aufziehen möge, bei meiner alten – bereits verkauften – ES 335 Epiphone Sheraton II hat das wahre Wunder bewirkt. Auch investierte ich endlich mal mehr als 5 Euro in ein Gitarrenkabel und so werde ich wohl nie mehr erfahren, ob sich der Klang der überarbeiteten Strat nun aus den neuen PU’s ergibt, oder doch nur aus neuen dicken Saiten und einem guten Kabel.
Wie dem auch sei, beschriebener Strat-Umbau soll hier erzählt werden und ob meiner Mojo-und Voodoo-verwirrte Gitarristenmeinung ergaben sich durch diesen Umbau erschütternde Informationen, die mich vollständig von meinem zuvor gepflegten Glauben um “Vintage” und “Voodoo” weggeholt haben.
So eine Pickup-Anpassung ist eigentlich relativ einfach, man muss ein wenig löten und gegebenenfalls ein wenig “frickeln”, wenn mal Kabel zu kurz geraten sind.
Als erstes aber muss man mal die Saiten abmachen oder beiseite zwirbeln:
Danach wird das Pickguard gelöst unter mal vorsichtig “druntergelugt”, und es könnte sein, dass man den Galapagos-Effekt erlebt. “Da stehste sprachlos vor!”: Meine 40th Anniversary American Standard Strat hat eine Poolfräsung!!
Nach diesem Schock war ich zuerst einmal wahnsinnig enttäuscht über das Thema American-Standard und Fender, bin aber dann relativ schnell wieder zu mir gekommen: nach einiger Recherche hat Fender in den 90ern sogar Pappel verwendet um seine AmStrats zu bauen. Hat es Auswirkungen auf den Sound? Vielleicht werde ich darüber einmal ein Experiment wagen, aber es gibt soviel “Voodoo” diesbezüglich, man könnte meinen: die spinnen doch Alle! Aber weiter im Text:
Da das neue Pickguard bereits vollständig mit Texas Specials und Göldo-Potis bestückt war, muss man eigentlich nur zwei Kabel der Steckbuchse lösen und die Masse vom Volume-Poti des alten Pickguards. Bei der Buchse ging das ganz einfach, leider waren die Lötstellen am Poti so dick und alt (?), dass mein 30 Watt Lötkolben keine Chance hatte. Ich musste also diese beiden Kabel abschneiden und hoffe bei einem Neueinbau mit einem dickeren Lötkolben dem alten Lot beizukommen.
Irgendwann hat man dann tatsächlich das Pickguard und die Kabelbuchse entfernt. Das Ergebnis sieht dann so aus:
Der Einbau des neuen Pickguards geht entsprechend einfach, dranhalten, draufsetzen, leicht abheben, anlöten und alle Teile wieder festschrauben:
Das neue Pickguard mit Texas Specials und neuen Göldo-Potis sowie neuem Fünffachschalter (von Fender).
die Rückseite des neuen Pickguards, gut zu sehen die weiträumige dicke Abschirmungsfolie.
Einen kleinen Mangel hatte ich beim Schlagbrett: die rechte obere Ecke der “Perlmutt”-Folie hatte sich gelöst, ein Tropfen Superkleber und das Problem war erledigt.
Als Endergebnis sieht die AmStrat nun wie folgt aus:
Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist das doch, wie ich meine, diese Kombination sieht regelrecht “Barock” aus, vor allem wenn man die Gitarre live sieht. Ich bin noch schwer am entscheiden, ob ich das alte weisse Pickguard wieder anbringe, damit sie ihren originalen Look zurückerhält. Allerdings bezweifle ich – bei all dem Voodoo-Hype – dass sich eine Poolfräsungsanniversary jemals wirklich als “Vintage”-Sammlerobjekt verkaufen wird. Ob sie anders klingt? Nun, nachdem ich 11er Saiten draufgezogen und nun die TS-PU’s eingebaut habe, selbstverständlich klingt sie anders. “Fett-Stratiger”. Der Klang kommt aus frischen Saiten, dicken Saiten und den Fingern. Zuerst einmal. Ganz am Ende vielleicht aus Poolfräsung, Lackdicke und Lackart. Am Ende kommt das Voodoo. Aber das ist teuer.
